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Christiane Ritschel

 

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Endspurt in Bielefeld und Herford – Perfektion und Zerstörung und Raketenbasis MARTa

Für zwei große Ausstellung in Ostwestfalen heißt es Endspurt. Und so bieten vielleicht die Feiertage und Brückentage rund um den Jahreswechsel noch einmal die Gelegenheit die Bielefelder Kunsthalle oder das Herforder MARTa aufzusuchen.Jeweils noch bis zum 13. Januar sind die beiden großen Ausstellungen “1937. Perfektion und Zerstörung” in Bielefeld und “Andreas Hofer – The Long Tomorrow” in Herford zu sehen.

Zehn Themen, zweihundert Künstlerinnen und Künstler, vierhundert Leihgaben: Die Kunsthalle Bielefeld dokumentiert das Jahr 1937 als „Perfektion und Zerstörung”. Es geht um die vielfältigen Reaktionen auf die Wanderausstellung „Entartete Kunst” in München, um den nationalsozialistischen Feldzug gegen die Moderne und den internationalen Schock durch die Bombardierung Guernicas. Die künstlerische Synopse mit sehr bekannten und weniger bekannten Namen zeigt Leihgaben aus über 120 Museen und Privatsammlungen. Siebzig Jahre nach 1937 kann der faschistische Versuch, die moderne Kunst zu vernichten, relativ authentisch nacherlebt werden. Dafür erhielten die Ausstellungsmacher von vielen Kunstexperten ein großes Lob. Auch wir haben unsere subjektive Meinung an dieser Stelle schon veröffentlicht.

Die Kollegen in Herford, das vom amerikanischen Stararchitekten Frank Gehry entworfene und vom renommierten Kunstleiter Jan Hoet geführten MARTa, präsentiert Andreas Hofer in einer Einzelausstellung unter dem Titel „The Long Tomorrow”. Als zweite Station der Ausstellung „Welt ohne Ende” umfasst sie sowohl Werke, die 2005 im Lenbachhaus in München gezeigt wurden, als auch Bilder, Skulpturen, Zeichnungen und Collagen der letzten zwei Jahre. Auch ganz
konkret in Bezug auf die Ausstellung „The Long Tomorrow” produzierte der Künstler neue Werke und integriert sie in eine vollständig neue Ausstellungslandschaft, die in ungewöhnlicher Weise mit den räumlichen Gegebenheiten des Museums spielt. Andreas Hofer entwickelt seit den frühen 90er Jahren eine Kunst, die sehr unterschiedliche
Quellen aktiviert. Ob nun Malerei oder Mobiliar, Actionfiguren oder Computerprints -Andreas Hofer findet in den verschiedenen Medien zu Bildern, die Horror, Wunder und Helden in unberechenbarer Weise aufscheinen lassen und in die Gegenwart führen. Die verschiedenen Referenzen auf Kultur- und Kunstgeschichte reichen bis zu der rätselhaften Signatur „Andy Hope, 1930″, mit der Andreas Hofer seine Arbeiten unterzeichnet. Das Pseudonym „Andy Hope” ruft unwillkürlich die Erinnerung an den Künstler Andy Warhol wach, der seinen Geburtsnamen amerikanisierte und sich
gerne verjüngte, indem er sein Geburtsdatum auf das Jahr 1930 änderte. Das Jahr 1930 ist auch durch die Reichstagswahl in Deutschland, bei der die Nationalsozialisten zur zweitstärksten Partei gewählt wurden, eine Schlüsseljahr für die europäische Kulturgeschichte. Der fingierte Nachname „Hope” wirkt wie ein unbestimmbarer Kommentar des Künstlers zu dem ambivalenten Verhältnis zwischen den menschlichen Urängsten und der kaum fassbaren Lust am Grauen, die Hofer mit seinem Werk heraufbeschwört. In einem Raum des MARTa hat er eine Raketenbasis installiert. Daher der Titel dieses Blogbeitrages.

Zwei Ausstellungen, deren Besuch lohnt.

Fotos und Text (teilweise) Kunsthalle Bielfeld, MARTa Herford


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