Museen in Bielefeld – von wegen langweilig
Das Spektrum der Bielefelder Museen reicht von Kunst über Natur und Umwelt bis zu Historie. Bis zu 250.000 Besucherinnen und Besucher im Jahr zählen die acht größten Museen im ostwestfälischen Oberzentrum. Das kann sich wahrlich sehen lassen. Und das gibt es z.B. zu sehen:
Kunstgewerbe und Geschichte im Ravensberger Park
Ein ehemaliges Industrieareal ist seit Mitte der 1990er Jahre Standort von zwei Museen: Aufwändig restaurierte Gebäude der von 1855 bis 1857 errichteten Ravensberger Spinnerei beherbergen das Historische Museum Bielefeld und das Museum Huelsmann. Der Gebäudekomplex war einst die größte Maschinenspinnerei auf dem europäischen Kontinent und zählt heute zu den bedeutendsten Industriedenkmälern in Nordrhein-Westfalen. Schwerpunkt des Historischen Museums in den Sheddachhallen der früheren Spinnerei ist die Industrialisierung, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts die Stadt Bielefeld und ihr Umland nachhaltig geprägt hat. Originalmaschinen aus den wichtigsten Industriezweigen wie die berühmten Bielefelder Nähmaschinen und Fahrräder dokumentieren ebenso wie Zeugnisse der Arbeiterkultur und des Bürgertums das Leben und Arbeiten vergangener Tage. Wirkungsvolle Inszenierungen wie etwa eine rekonstruierte Wohnküche wecken dabei das Interesse an der Geschichte Bielefelds. Darüber hinaus zeigt das Museum pro Jahr bis zu vier Sonderausstellungen zu regionalgeschichtlichen und kulturhistorischen Themen. So wird unter dem Titel „Alarm!“ vom 21. März bis zum 1. August 2010 die 150-jährige Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Bielefeld dokumentiert.
Nur wenige Schritte vom Historischen Museum entfernt befindet sich in der ehemaligen Direktorenvilla das Museum Huelsmann. In den hochherrschaflichen Räumen werden die Kunstgewerbesammlung der Eheleute Huelsmann sowie zahlreiche Exponate aus der Sammlung der mit dem Rilke-Kreis verbundenen Dichterin Hertha Koenig präsentiert.
Friedrich Karl August Huelsmann (1904-1979), der zu seiner Zeit der bedeutendste Kunst- und Antiquitätenhändler Deutschlands war, hatte seiner Heimatstadt Bielefeld seine Privatsammlung von Weltrang vemacht. Sie umfasst prachtvolles höfisches Tafelsilber, wertvolles Porzellan und Gläser, Tapisserien, Möbel und Gemälde und vermittelt dem Betrachter ein Gefühl für die Ausstattungs- und Festkultur zu Zeiten von Renaissance, Barock und Klassizismus. Wissenschaftliche Instrumente und Sonnenuhren ergänzen die reiche Sammlung europäischen Kunsthandwerks aus über fünf Jahrhunderten.
Die Wäschefabrik – ein begehbares Denkmal
Unweit der beiden Museen, die in den Ravensberger Park mit altem Baumbestand und einer Wasserfontäne eingebettet sind, findet sich eine für Deutschland einmalige Einrichtung: das Museum Wäschefabrik. Versteckt in einem Hinterhof gelegen, scheint in der ehemaligen Wäschefabrik die Zeit still zu stehen. Von 1913 bis in die 80er Jahre wurden hier Tisch- und Bettwäsche sowie Damenwäsche und Herrenhemden angefertigt. Von den Stoffballen und Garnrollen bis zur Uhr an der Wand und dem Auftragsbuch auf dem Schreibtisch ist der Originalzustand erhalten geblieben – der Besucher erlebt hier ein begehbares Denkmal.
Kunsthalle von internationalem Ruf
Mit der Kunsthalle, dem Museum Waldhof, dem Naturkunde-Museum und dem Deutschen Fächermuseum befindet sich am Rande der Bielefelder Altstadt ein weiterer Museumsschwerpunkt. Einen international ausgezeichneten Ruf genießt die Kunsthalle Bielefeld, die sich vornehmlich der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts widmet. Das von dem amerikanischen Architekten Philip Johnson entworfene markante, würfelförmige Gebäude aus rotem Sandstein ist Schauplatz von vier großen Sonderausstellungen pro Jahr mit Schwerpunkten der klassischen Moderne, des Expressionismus und der zeitgenössischen Kunst und Fotografie.
„Die bislang erfolgreichste Ausstellung in der Geschichte der Kunsthalle war im Frühjahr 2008 ‚Emil Nolde. Begegnung mit dem Nordischen’, die von mehr als 74.000 Besucherinnen und Besuchern gesehen wurde“, berichtet Pressesprecherin Christiane Heuwinkel. Ein Höhepunkt des Jahres 2010 wird eine Ausstellung mit Werken des westfälischen Expressionismus sein, die am 31. Oktober eröffnet wird. Temporär zeigt die Kunsthalle zudem die hauseigene Sammlung mit Gemälden berühmter Expressionisten wie Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner und Emil Nolde.
Kunst im historischen Adelshof
In einem Adelshof aus dem 16. Jahrhundert betreibt der Bielefelder Kunstverein, der mit etwa 1.000 Mitgliedern zu den bedeutendsten Kunstvereinen Deutschlands zählt, das Museum Waldhof. In fünf Ausstellungen pro Jahr werden hier junge, international arbeitende Künstler vorgestellt, die von der Kunstszene erst entdeckt werden. Wenige Schritte entfernt findet der Kunstinteressierte ein besonderes Kleinod: In dem bundesweit einzigen Fächermuseum zeigen die Eheleute Marie-Luise und Günter Barisch ihre umfangreiche Sammlung, die Fächer aus vier Jahrhunderten und nahezu aller Herren Länder umfasst.
Naturkunde-Museum: Museum der Zukunft
Als Lernort für nachhaltige Entwicklung versteht sich das älteste Museum Bielefelds, das bereits im Jahre 1906 gegründete Naturkunde-Museum namu. „Das Konzept unserer Dauerausstellung kehrt die traditionelle Abfolge naturkundlicher Ausstellungen – Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft – um. Denn bei uns begibt sich der Besucher in ein Museum der Zukunft, das rückblickend die Situation von Natur und Umwelt im Heute beschreibt“, erläutert Museumsleiterin Dr. Isolde Wrazidlo. Dutzende von Tieren, alle durch menschliches Handeln gefährdet und in einer Eisvitrine konserviert, säumen des Weg des Besuchers ebenso wie Geschichten von Menschen, die sich einst um den Schutz der Natur bemühten.
Dargestellt werden die Ursachen des Artensterbens, und versteinerte Zeitzeugen rufen dazu auf, aus den Lehren der Vergangenheit zu lernen. Insbesondere für Schulklassen gibt es zudem ein umfangreiches Begleitprogramm. In drei Sonderausstellungen befasst sich das Naturkunde-Museum 2010 mit der Rückkehr der Wildtiere, dem Mythos Wald und dem Klimawandel in Mittel- und Südamerika.
Ländliches Leben in der Region Ravensberg
Das älteste Freilichtmuseum Westfalens steht in Bielefeld: Im Jahr 1917 öffnete das Bauernhaus-Museum seine Pforten. Auf dem Gelände in waldnaher Lage wurde ein Hof aus dem 16. Jahrhundert wiederaufgebaut; zwei Mühlen, ein Backhaus, eine Scheune und ein Spieker ergänzen das historische Ensemble. Auf anschauliche Weise werden hier das ländliche Leben in der Region Ravensberg des 19. Jahrhunderts abgebildet und das Leben auf dem Hof als komplexes Wirtschafts- und Sozialsystem dargestellt.
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Geschrieben: 21 Januar, 2010 in Bielefeld.
Tags: Bielefeld, Museen









