Bilderbuch Deutschland – Gütersloh – so nah und doch so fern
Der NDR zeigte am Montag, den 06.10.2008 von 14.15 Uhr bis 15.00 Uhr ein Fernsehportrait der ostwestfälischen Stadt Gütersloh. Die Sendung gehörte zu der Reihe “Bilderbuch Deutschland” und entstand 2005.
Mit gut 100.000 Einwohnern als Kreisstadt im Westen der Region und überregional bekannt als die Heimat von Bertelsmann und Miele.
Soweit so gut. Also mal Fernsehen geschaut, wie die Stadt in unserer Mitte so auf Frankfurter Fernsehfilmer wirkt. Und was fanden wir: Mit Matthias Borner von Vox Rindvieh durchaus einen Kenner der Stadt, der allerdings seine Qualitäten als “Original” wenig ausspielen durfte. Mehr der Kommentar zum Kommentar.
Die Ausstellung im Stadtmuseum, damals noch in der Leitung von Heinrich Lakämper-Lührs mit dem Titel “Kaff und Kosmos” lieferte den Rahmen der Reportage. Mal klein mal groß, je nach Fokus und eigentlich wollte sowieso jeder immer das machen was sie heute auch machen. Der Lindenwirt, die Eisenbahner von Mühlenstroth, die Schüler vom Stiftischen.
Cover Ausstellung Kaff und Kosmos, 2001 Stadtmuseum Gütersloh
Der Fussball in Gütersloh mit seinen Höhen und Tiefen, die Integration von Migranten und dann war die Sendezeit schon rum. Kurios inszeniert der Shantychor in der Welle. Alle Herren im Wasser stehend und Seemannslieder singend, mindestens 200 km von der Küste entfernt.
Fazit: Das muß ein komisches Kaff sein, das es trotz “reicher” Firmen nicht schafft ein Theater zu bauen, als Wahrzeichen ein Doppeltandem zu empfehlen und das Parkleitsystem als überdimensioniert und als Sinnbild des “Deutschen Schilderwaldes” zu verstehen.
Tja, gut gesprungen, aber doch in Klischees stecken geblieben. Zugegeben, man muß nicht wissen, dass einer der Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger kurz (DGzRS) 1833 in Gütersloh geboren wurde (Adolph Bermpohl) oder dass es alleine in Gütersloh mehr als 40 Künstler gibt, oder einen lebendigen Kunstverein oder eine 2 Bundesliga Frauenfussballmannschaft oder den Platzwechsel, oder….
Ja man muß sich einlassen auf die Stadt an der Dalke. Das wissen die Einheimischen auch und das kam bei dem Künstler und Maurer Rainer Wortmeier auch durch. Das ist allerdings bis heute auf die nach Gütersloh der Arbeit wegen gekommenen nicht durchgedrungen. Und genau diese Gruppe von “Wahllos-Güterslohern” scheint den Filmemachern ihr Unbehangen und das Unverständnis für die Stadt mitgegeben zu haben.
Man kennt nur, was man weiss und wer das nicht wissen will, der fährt eben am Wochenende wieder ins “Hippe” der Metropolen. Aber vielleicht ist das ja einen erneuten Besuch der Filmemacher wert, da die Sendung von 2005 war. Heute wird am Theater gebaut und auch sonst tut sich in der Stadt mehr, als was im “Bilderbuch Deutschland” zu sehen war. Auf ein Neues!
Mal eine andere Sicht gefällig? Von Pfaffen und Medienmogulen – Stadtführung in Gütersloh
Geschrieben: Oktober 6th, 2008 unter Gütersloh.
Tags: Bilderbuch Deutschland, Fernsehsendung, Gütersloh, NDR
Kommentare
Comment von Georg Fries
Time Di 24. November 2009 at 11:57
Heute (24.11.2009) wurde der Film über Gütersloh bei BR alpha gezeigt, und zufällig konnte ich ihn mir ansehen. Sie haben völlig recht, eine klischeehaftere Sendung läßt sich kaum denken. Die leicht näselnde Stimme der Sprecherin, die auch bei “kulturzeit” immer so distanziert gelangweilt spricht, sprach pausenlos mehr über sich selbst – als müßten die Filmemacher in der ersten Hälfte des Films ständig beweisen, daß SIE natürlich – keinesfalls! – zur “Provinz” zählen. Um Gottswillen-neee…. Das ist halt der heutige, pseudo-ironische postmoderne Ton, der aber nicht nur über Gütersloh dröhnt, sondern in dem jedes Thema – ein Thema wird. “Wir sind cool, und ihr seid es nicht”. Im Grunde haben diese Leute nur ein Thema – sie sind selbst gelangweilt, und wollen über die ganze Welt gelangweilt reden, und natürlich zeigen, wie supertoll sie sind. Modevokabeln sind dabe immer “erfindet sich neu” (das hätte Ihnen geblüht, wär das Theater schon da, und ein riesiger Glaskasten, in dem alle Mitarbeiter im Sommer vor Hitze vergehen^^). Und “pfiffig”, sowie “spannend” kommt in jeden Film, also auch in den über Gütersloh.
Aber davon abgesehen – für jemand, der noch nie in Gütersloh war, gab es trotzdem schöne Bilder, und ich habe mich gefreut, den jüdischen Friedhof sehen zu können. Man sollte es so machen – die Bilder mit dem ergänzen, was Ihrer Meinung nach fehlt aus der Stadt – und komplett neu synchronisieren
. Denn die Bilder wären, jedenfalls für mich, ohne das überhebliche Gestammel schön gewesen.






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Time Di 7. Oktober 2008 at 20:28
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