Olafur Eliasson in Gütersloh – Kunst ist Stadtmarketing
Wasserfälle in New York: Stadtmarketing zum Nulltarif so titelte Burkard Schneider in seinem best-practice-business blog und meint dabei die derzeit in vielen Medien zitierten oder bei youtube gezeigten Wasserfälle des dänischen Künstlers Olafur Eliasson. Bei “The Weather Project”, so der Name des Kunstprojektes, ergiessen sich Wassermassen im Stile eines Wasserfalles von verschiedenen Stellen aus in den East River. So z.B. von der Brooklyn Bridge aus. Olafur Eliasson ist der Mann für spektakuläre Inszenierungen. In der Münchner Pinakothek der Moderne zeigt Olafur Eliasson derzeit z.B. seine Vorstellungen des BMW Art Cars, er friert hier einen BMW H2R Rennwagen einfach ein und verbindet somit seine beiden Interessen Industrietechnologie und Naturphänomene. Mit „Christo war gestern“, wirbt die Stadt New York bereits seit Anfang des Jahres für die „Waterfalls“ des dänischen Künstlers Olafur Eliasson. Wen wundert es da, dass das Stadtmarketing von Gütersloh bei all der Medienaufmerksamkeit die dieser Künstler derzeit erlebt per Pressemitteilung schnell darauf hinweist, das Olafur Eliasson natürlich auch schon in Ostwestfalen war und seine künstlerischen Spuren hinterlassen hat. Und da muß man noch nicht einmal den Flieger nehmen und in die dollarschwache amerikanische Großstadt fliegen. Es reicht ein Spaziergang in den Botanischen Garten Gütersloh. Dort baute Eliasson im Jahr 2000 den „Geruchstunnel“ auf. Was Assoziationen an dunkle Wege hervorruft, ist in Wirklichkeit ein lichtdurchflutetes Gebilde, das besonders jetzt im Sommer Augen und Nase gleichermaßen anspricht. Dabei kommt es zunächst sehr unauffällig daher, so unspektakulär und bescheiden, wie sich Olafur Eliasson selbst damals bei der Konzeption seines Natur-Kunstwerks in Gütersloh präsentierte. Mehrere Tage war er im Rahmen des Projektes „Gartenlandschaften OWL“ vor Ort, um den „Tunnel“ aufzubauen und mit den Kollegen des städtischen Fachbereichs Grünflächen abzustimmen. Die erinnern sich an einen sympathischen „Teamarbeiter“ mit präzisen Vorstellungen über das Kunstwerk: ein ausgeklügeltes Zusammenspiel von Objekt und Natur sollte das Ergebnis sein – Kunst, die in der Nase kitzelt, die Sinne schärft und begehbar ist, Kunst, die wächst und sich entwickelt, „entfaltet“ im wahrsten Sinn des Wortes. Acht Jahre sind seit der Vorstellung des „Geruchstunnels“ vergangen, und man darf sagen, er hat sich behauptet in der Konkurrenz der Düfte und Gerüche, die mit ihm gerade jetzt im Sommer im Botanischen Garten konkurrieren. Ebenmäßig und ausgewogen steht er auf der Wiese hinter dem Apothekergarten, seine Basis ist ein filigranes Gerüst aus poliertem Stahl, ein Zwölfeck. An ihm ranken sich vorwitzig die schönsten Kletterpflanzen hoch und doch bleibt der Gesamteindruck der klaren Form erhalten. Der „Tunnel“ erweist sich als schmaler Laubengang mit einer Mittelinsel, auf deren Rund der Besucher ebenfalls Duftkompositionen einatmen kann, die sonst wohl eher selten nebeneinander zu finden sind. Denn Eliasson setzt mitnichten nur auf Kletterrosen und Lavendel. Sein Gerüche-Kosmos“ umfasst Pflanzen, deren Namen allein schon wie Poesie klingen: Alyssum montanum, etwa, Convallaria majalis, Viola odorata oder Lilium candidium, narcissus Poeticus oder Lonicera Japonica. Bevorzugt sind Sorten, die das ganze Jahr über blühen und natürlich duften. Doch die Wünsche des Künstlers waren nicht in jedem Fall leicht zu erfüllen, erinnert sich Bernd Winkler, Leiter des städtischen Fachbereichs Grünflächen: Trotz europaweiter Recherchen seien einige wenige nicht zu beschaffen gewesen, andere konnten sich auf der westfälischen Erde nicht etablieren. In diesem Fall haben die erfahrenen Stadt-Gärtner allerdings für Ersatz gesorgt. Der „Geruchstunnel“, der sich durch „betörende“ (ja, so ein altmodisches Wort passt hier!) Düfte demjenigen öffnet, der ihn durch die zwei Eingänge betritt, muss intensiv gepflegt werden, um seine Wirkung zu entfalten. Durch Schnitt- und Korrekturmaßnahmen sorgt zum Beispiel eine Gärtnerin regelmäßig dafür, dass die Kontur der Rankgerüstes nachgezeichnet bleibt. So erst entsteht der der Gesamteindruck zwischen geometrischer Form und verspielter Wildheit, die Ranken und Blüten vermitteln. „Er ist nie fertig, er verändert sich ständig,“ sagt Bernd Winkler über das Eliasson-Kunstwerk und genau das hat der Künstler vor allem gewollt.
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Geschrieben: 8 Juli, 2008 in Gütersloh, Kultur.
Tags: Gütersloh, Kunst, Olafur Eliasson
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Pingback from Stadtpark Gütersloh und Botanischer Garten feiern 100. Geburtstag | Die Ostwestfalen
Posted: So 14. Juni 2009 at 13:42
[...] Wissen um die Heilkunst der Pflanzen. Der „Geruchstunnel”, konzipiert vom isländischen Künstler Olafur Eliasson im Rahmen der Expo OWL, ist pure Kunst für feine Nasen – ein wohl durchdachtes Arrangement der [...]









Pingback from Goethe hätte auch gebloggt – 1786 auf dem Weg nach Italien | kunstfreunde
Posted: Do 24. Juli 2008 at 11:40
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