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Der Radier-Roboter im Peter August Böckstiegel-Haus

Es tut sich was im Böckstiegel-Haus in Werther. Wenn auch die Überlegungen für ein neues/altes Museum noch nicht abgeschlossen sind. Ende 2008 wurde die Peter-August-Böckstiegel-Stiftung gegründet. Jetzt wird eine sehr wichtige Aufgabe, die Bestandserhaltung der Werke, in Angriff genommen. Mit über 1000 Werken stellen die Papierarbeiten des Expressionisten Peter August Böckstiegel die größte Werkgruppe innerhalb der im Nachlass erhaltenen Sammlung dar. Neben Aquarellen, Pastellen und Zeichnungen sind auch eine Vielzahl von Druckgraphiken vorhanden, die derzeit restauriert werden. Die Durchführung der Maßnahmen kostet etwa 100.000 €.

Dringender Handlungsbedarf besteht bei den Pastellen, die aufgrund ihrer Materialkomposition besonders schadensanfällig sind. Die langjährige Unterbringung in nicht abgedichteten Rahmen und bei ungeeignetem Raumklima im Böckstiegel-Haus hat bei den Pastellen zu ausgedehntem Schimmelbefall und starken Verwerfungen der Bildträger geführt. Im Zuge der Konservierung muss der Schimmelbefall entfernt werden, die Bildträger sollen soweit möglich geglättet werden. Abschließend müssen die vorhandenen Rahmen so ausgestattet werden, dass die Pastelle ohne direkten Kontakt zur Glasscheibe montiert werden können. Das ist zwingend erforderlich, um eine Beschädigung der empfindlichen Malschicht dauerhaft zu verhindern. Als Schutz gegen äußere Einflüsse werden die Rahmen schließlich staubdicht verschlossen.

Trotz ihres Alters und der zum Teil ungünstigen Lagerungsbedingungen haben insbesondere die farbprächtigen Aquarelle nichts von ihrer Leuchtkraft eingebüsst. Dies liegt vor allem daran, dass ein Großteil der Werke selten oder nie dem Tageslicht ausgesetzt und damit vor der papierschädigenden UV-Strahlung geschützt war. Die nicht immer gute Papierqualität und die Lagerung der Werke unter nicht immer günstigen klimatischen Bedingungen machen es jedoch erforderlich, den Bestand konservatorisch zu behandeln. Dabei werden zum Beispiel alte Kaschierungen oder Kleberreste von Montierungen entfernt und eine Trockenreinigung der Oberfläche vorgenommen. Bei dieser Trockenreinigung kommt der Radier-Roboter zum Einsatz. Mit dessen Hilfe können die nicht bedruckten Seitenbereiche sowie die Rückseiten der Exponate bearbeitet werden. Die sensiblen Bereiche mit den eigentlichen Abbildungen werden dann per Hand gereinigt. Dafür sorgt eine Radier-Mine, die sich an einer senkrechten Achse über dem zu reinigenden Objekt bewegt. Zwei weitere, horizontal verlaufende Bahnen sorgen dafür, dass die Mine motorgesteuert an jeden beliebigen Punkt gefahren werden kann. In einem Steuerungsmodul müssen lediglich die Längen- und Breitenwerte des Bildes oder Buches eingestellt werden, schon beginnt der Apparat, zeilenweise über das Objekt zu fahren und schädlichen Schmutz aufzunehmen. Etwa eine halbe Stunde dauert die Bearbeitung eines Blattes in DIN-A4-Größe durch den Radier-Roboter, was eine immense Arbeitserleichterung mit sich bringt. Nur noch die Ränder der Exponate muss per Hand nachgearbeitet werden, weil dort die Gefahr zu groß wäre, dass sie einreißen.

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