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Christiane Ritschel

 

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Der späte Sieg der Doppelstädte

Wir hatten es schon vor einiger Zeit erwähnt, das deutsche Herz schlägt in der Provinz. In Rheda-Wiedenbrück, Wanne-Eickel, Castrop-Rauxel oder Jauernick-Buschbach. Es sind keine Metropolen wie Berlin, München oder Hamburg. Es sind Städte, in denen man den deutschen Alltag studieren kann und es sind oftmals Städte, die eine exzellente Infrastruktur haben. Sei es die Köln-Mindener Eisenbahn oder die Autobahn Köln-Berlin. Jetzt hat es eine weitere Doppelstadt auf das blaue Autobahnschild geschafft. Herzebrock-Clarholz. Eine Stadt mit 13.000 Einwohnern inklusive der Bauernschaften Bosfeld, Bredeck, Brock, Groppel, Heerde, Holzhof, Möhler, Oelkerort, Pixel, Quenhorn, Samtholz und Sundern. Zwischen den A2-Autobahnabfahrten Rheda-Wiedenbrück und Oelde wird es eine neue Autobahnabfahrt geben. Und diese wird nicht etwa Rheda-Wiedenbrück-West oder Oelde-Ost heißen, nein Herzebrock-Clarholz hat gekämpft und gewonnen und so wird die neue Abfahrt die im Herbst 2008 fertig sein soll und rund 4 Mio. € kosten wird den Namen Herzebrock-Clarholz bekommen. Wer also zukünftig aufgrund der Bauarbeiten auf der A2 im Stau steht, denke daran, dass hier eine weitere Doppelstadt eine Autobahnabfahrt bekommt, die Provinz wird erschlossen. Schließlich beträgt der Abstand zwischen den Ausfahrten Rheda-Wiedenbrück und Oelde auch ganze 15 km. Das ist eindeutig zu lang und eine Autobahnabfahrt muß her.

Diese neue Abfahrt soll aber nicht nur Herzebrock-Clarholz erschließen, sondern den Weg führen, in das neue Golddorf “Aurea”, ein neues Interkommunales Industrie- und Gewerbegebiet. Und bei der Beschreibung dieses Gebietes, reibt man sich doch die Augen. Welch ein Marketingdeutsch, Schlagwort über Schlagwort und als Rheda-Wiedenbrücker Polbürger fragt man sich, bin ich hier noch im richtigen Film? Ist das wirklich das Ostwestfalen, das ich kenne? Hier mal ein paar Zitate von der Website.

Zieht man eine Linie von den Industriestandorten des Ruhrgebiets zu jenen Ostwestfalens und kreuzt sie mit einer zweiten, die die Wachstumsregionen Osteuropas mit jenen der Beneluxstaaten verbindet, gelangt man automatisch zu einem Ort, der bislang auf kaum einer Karte auftaucht: AUREA. AUREA ist das kommende Wirtschaftszentrum im Kern des Kontinents und eine echte Entdeckung. Sein Name leitet sich ab vom lateinischen Begriff für Gold, denn ein Standort wie AUREA ist tatsächlich Gold wert: Zentral gelegen, bestens angebunden, ausgestattet mit intakter Infrastruktur, einem Verbund wachstumsstarker Unternehmen drumherum und dennoch viel Raum für Wachstum und Ideen. Hier wird viel bewegt – und hier lässt sich viel bewegen.

Mal ganz nebenbei gefragt, sind die Beneluxländer gerade die Wachstumsregionen Europas? Aurea – das Land wo Milch und Honig fließt.

Und es geht weiter:

Die Kunst des Ausruhens ist Teil der Kunst des Arbeitens, und rund um AUREA herum bieten sich dafür die besten Voraussetzungen. Hier finden sich eine rurale, weitgehend naturbelassene Landschaft, vielfältige Sportangebote und eine überaus lebendige Theater-, Musik- und Kulturszene. Dazu viele Möglichkeiten des Wohnens im Grünen oder in Gemeinden, in denen der Geist von Gemeinschaft noch ganz ostwestfälisch hochgehalten wird. Mit anderen Worten: Hier lässt sich’s leben. Und das ist kein ganz unwichtiges Argument, wenn man neue Mitarbeiter für eine neue Aufgabe an einem neuen Ort gewinnen will.

Da bin ich schlichtweg beeindruckt. Einfach toll hier, aber läßt sich dies nicht auch ohne weiteres auf das Schwabenland oder bayerische Regionen übertragen? Bei diesem tollen Marketingdeutsch wechseln wir doch einfach die Region aus und es passt, wackelt und hat Luft.

Einzig und allein der “Geist von Gemeinschaft der noch ganz ostwestfälisch hochgehalten wird” ist spezifisch. Aber kann mir mal jemand erklären, wie der Ostwestfale etwas typisch hochhält?

Ich denke, wir werden dass im Ostwestfalen-Blog zu späterer Zeit noch genauer untersuchen müssen. Um Mithilfe wird gebeten.


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